Do it yourselfÄrger vermeiden: den Dieselmotor während der Saison pflegen

Do it yourself: Ärger vermeiden: den Dieselmotor während der Saison pflegenFoto: YACHT/B. Scheurer
Ein regelmäßiger Blick in den Motorraum kann helfen, Probleme früh zu erkennen. Meistens lassen sie sich dann mit Bordmitteln lösen

Ersatzteile für den Diesel sind teuer oder gar nicht lieferbar, Mechaniker komplett ausgebucht. Ein Motorschaden kann so den Urlaub kosten. 6 Tipps, um Motorprobleme zu vermeiden

Streikt auf dem Sommertörn die Maschine, ist es meist nicht einfach, in unbekannten Häfen einen Motorservice zu finden. Das könnte in diesem Sommer sogar noch viel schwieriger bis unmöglich werden. Hatte die Corona-Pandemie die Lieferketten schon stark gestört, sind seit dem Krieg Russlands in der Ukraine Ersatzteile noch schwieriger zu bekommen. Dazu kommt, dass viele Betriebe volle Auftragsbücher haben, also selbst wenn das Ersatzteil verfügbar ist, keine Zeit für außerplanmäßige Reparaturen haben. Erschwerend kommt noch hinzu, dass durch den Boom im Gebrauchtbootmarkt viel mehr eventuell reparaturbedürftige Boote unterwegs sind. Das verknappt die Termine zusätzlich.

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Die Lösung klingt simpel: Sei lieb zu deinem Diesel, damit möglichst keine Reparatur fällig wird. Am besten wird er noch vor dem Sommertörn durchgecheckt und der Wartungsstau beseitigt. Auch bei einem guten Wartungsstand kann ein prüfender Blick an den richtigen Stellen nicht schaden, um Probleme frühzeitig zu erkennen. Dann sind sie hoffentlich noch selbst zu beheben. Aber was braucht die Maschine zum Glücklichsein? Die kurze Antwort lautet: Kraftstoff, Öl, Kühlwasser und Luft. Ausführlicher muss es heißen: sauberen Kraftstoff, genug und nicht zu altes Öl, ausreichend Kühlwasser und Luft. Fehlt es an Kraftstoff, weil etwa ein Filter dicht ist, streikt die Maschine. Ebenso bei zu wenig Luft. Auch hier kann durch ein schlechtes Kraftstoff-Luft-Gemisch die Verbrennung nachteilig beeinflusst werden und übermäßig viel Ruß entstehen. Die Maschine quittiert im Zweifel den Dienst oder tritt ihn gar nicht erst an. Das ist ärgerlich, richtig große Schäden verursacht es aber nicht.

1. Aufwärmphase    Je wärmer das Öl, desto flüssiger und desto besser lässt es sich abpumpen. Also Maschine warmfahren vor dem Wechsel
Foto: Andrews, Klaus

Beim Öl und Kühlwasser ist das schon anders. Das Motoröl hat zwei wichtige Eigenschaften: Es schmiert und mindert damit den Verschleiß, und es bindet Abrieb. Ganz verschleißfrei läuft kein Motor, kleinste Partikel an der falschen Stelle würden wie eine Schleifpaste wirken und Lager schnell zerstören. Das kann auch passieren, wenn das Öl zu alt ist. Zu wenig oder zu altes Öl kann also schwere Motorschäden verursachen. Viele Segelboote kommen pro Saison vielleicht gar nicht auf die Motorstunden, die einen jährlichen Ölwechsel zwingend nötig machen. Frisches Öl kann der Maschine aber nicht schaden, und das Geld für zwei Flaschen 10 W 40 sind gut investiert, verglichen mit den Reparaturkosten bei einem festgefressenen Kolben.

Das Kühlwasser schützt die Maschine vor Überhitzung, kommt also nicht genug an, droht ebenfalls teures Ungemach. Bei zu hohen Temperaturen schmiert das Öl nicht wie vorgesehen, bewegliche Teile werden durch die temperaturbedingte Ausdehnung schwergängiger, was zu erhöhtem Verschleiß führt. Besonders Dichtungen, allen voran die Zylinderkopfdichtung, können Schaden nehmen.

Ohne ausreichend Öl und Kühlung droht also extremer Verschleiß bis hin zum Motorschaden. Daher ist es immer ratsam zu schauen, ob genug Kühlwasser aus dem Auspuff kommt, und sich per Warnton über einen zu niedrigen oder hohen Öldruck informieren zu lassen.

1. Seeventil schließen   Bevor Filter und Pumpe geöffnet werden, muss das Seeventil zu sein. So wird Wassereinbruch vermieden. Besonders tückisch, wenn in einer Arbeitspause etwa der Deckel des Filters offen bleibt. Bei Antrieben mit Saildrive ist das Seeventil dort zu finden. Nach den Wartungsarbeiten und vor dem Probelauf unbedingt wieder öffnen!
Foto: YACHT/N. Krauss

Da ausbleibendes Kühlwasser und abweichender Öldruck aber schon der Worst Case sind, können regelmäßige kleinere Wartungsarbeiten vorbeugen. Beim Kühlwasser bedeutet dies, den Filter vor jeder längeren Motorstrecke auf Algen zu kon­trol­lie­ren. Dazu reicht bei einem transparenten Deckel ein Blick im Maschinenraum. Die Schlauchverbindungen und die Pumpe sind auf Undichtigkeiten im Betrieb zu überprüfen.

Außerdem sollte der Schlauch zwischen Seeventil und Pumpe nach dem Start der Maschine begutachtet werden. Hier wird das Wasser angesaugt, es herrscht also ein Unterdruck. Damit sich der Schlauch nicht zusammendrückt, ist eine Armierung er­forderlich. Diese kann nach Jahren der Beanspruchung versagen. Dann ist der Schlauch zwar noch dicht, durch den reduzierten Durchmesser strömt aber nicht mehr genug Kühlwasser im Motor an. Ein Austausch ist nicht teuer, kann aber schwerwiegende Schäden verhindern.

Dann, dem Weg des Kühlwassers folgend, muss der Impeller überprüft werden. Werden die Flügel etwas zur Seite gebogen und es zeigen sich schon kleine Risse, muss Ersatz her. Nach dem Einbau sollte dringend ein neues Exemplar in der Werkzeugkiste lagern. Der Impeller kann auch Schaden nehmen, wenn er einige Minuten ohne Wasser läuft, also etwa bei einem verstopften Kühlwasserfilter. Dann muss auch auf See Ersatz vorrätig sein. Gibt es einen zweiten Kühlkreislauf, muss dort genug Kühlmittel vorhanden sein, im Zweifel aufgefüllt werden. Thermostat und Wärmetauscher sind dann ebenfalls auf einwandfreie Funktion zu prüfen. Zusätzlich befinden sich im äußeren Kühlkreislauf Anoden, die Korrosion im Motor verhindern. Sie müssen zu Saisonbeginn geprüft werden. Sobald die Hälfte abgetragen ist: tauschen.

1. Sichtkontrolle auf Abrieb   Der Keilriemen treibt Kühlwasserpumpe und Lichtmaschine an. Schwarzer Staub deutet auf erhöhten Abrieb hin, wenn die Riemenscheiben korrodiert sind oder nicht genau fluchten
Foto: YACHT/B. Scheurer

Bei vielen Motoren wird die Wasserpumpe von einem Riemen angetrieben, ebenso die Lichtmaschine. Reißt der Riemen, fehlen das Kühlwasser und der Strom. Es gilt also auch hier sicherzustellen, dass die Scheiben richtig fluchten, der Riemen die richtige Spannung hat und das Material noch nicht ermüdet ist. Ein Ersatz sollte an Bord sein.

Auch wenn bei unterbrochener Kraftstoffzufuhr meist keine großen Schäden entstehen, so ist eine unzuverlässig laufende Antriebsmaschine dennoch ein Sicherheitsrisiko oder kann zumindest den Sommertörn stören. Darum empfiehlt sich auch hier eine gründliche Wartung und vor dem Sommertörn zumindest ein prüfender Blick.

1. Die Maschine penibel putzen   
Bevor die Sauerei mit dem Diesel losgeht, die Maschine auf bereits bestehende Lecks überprüfen und Probleme beheben. Nach dem Filterwechsel alles wieder säubern. Wichtig: gute Beleuchtung
Foto: YACHT/K. Andrews

Sind die Filter zum Saisonbeginn noch nicht getauscht worden, dann sollte es jetzt nachgeholt werden. Üblicherweise befindet sich ein Filter zwischen Tank und Kraftstoffförderpumpe. Hier sitzt auch der Wasserabscheider unten am Filtergehäuse. Wird die kleine Schraube geöffnet, sollte Diesel herausströmen. Wenn Wasser oder bräunlicher Schleim zu sehen ist, besteht dringender Handlungsbedarf. Wasser kann in Form von Kondensat in den Tank gelangen. Besonders bei Stahltanks kann dies vorkommen, wenn die im Winterlager nicht ganz gefüllt sind und Wasserdampf an der kalten Tankinnenwand kondensiert. Das Wasser sammelt sich unten im Tank, und an der Grenzschicht zwischen Kraftstoff und dem Kondenswasser siedeln sich Organismen an, die auch als Dieselpest bekannt sind. Der bräunliche Schleim kann bei Seegang bis zur Dieselansaugung schwappen und den Filter verstopfen. Das ist besonders tückisch, da es bei kabbeliger See, wenn die Maschine kurz vorm Hafen gestartet wird, auftreten kann. Auch wenn die Kontrolle des Wasserabscheiders unauffällig ist, sollte ein Blick durch die Wartungsluke in den Tank geworfen werden. Mit einer kräftigen Taschenlampe den Tankboden absuchen. Bei schlechter Zugänglichkeit kann das Smartphone sehr hilfreich sein, Fotos oder ein Video liefern dann die Einblicke.

Kleinere Verunreinigungen lassen sich gezielt absaugen, ist das nicht mehr möglich, muss der gesamte Tank gesäubert werden. Diese langwierige und aufwändige Aufgabe sollte unter keinen Umständen auf die Zeit nach dem Sommertörn verschoben werden. Die Ablagerungen im Tank stellen ein großes Risiko für den zuverlässigen Betrieb der Maschine dar.

Filter gibt es im Kraftstoffsystem meistens zwei zu tauschen: den Vorfilter (meist kombiniert mit dem Wasserabscheider) und den Feinfilter zwischen Kraftstoffförderpumpe und Einspritzpumpe. Ein jährlicher Wechsel ist empfehlenswert. Wenn ein Befall des Tankinhalts mit Dieselpest festgestellt und beseitigt wurde, sollten auch die Filter gewechselt werden. Danach steht bei älteren Maschinen das Entlüften an. Denn unweigerlich ist beim Filtertausch Kraftstoff aus den Leitungen gelaufen. Die Luftblasen lassen dann den Motor stottern oder ganz ausgehen. Dagegen hilft, eine Schraube an der Einspritzpumpe zu öffnen und dann manuell an der Kraftstoffförderpumpe Diesel in die Leitung zu fördern. Die Luft strömt aus der geöff­neten Verbindung. Sobald Diesel herausläuft und keine Blasen mehr bildet, ist die Leitung wieder vollständig gefüllt. Vor dem Ablegen sollte die Maschine dennoch zur Probe laufen.

1. Wartungsluke oder Anschlüsse entfernen    Durch den Inspektionsdeckel lässt sich einfach ein Blick in den Dieseltank werfen. Wenn nicht vorhanden, müssen die Anschlüsse abgeschraubt werden (wie beim Tank im Bild)
Foto: YACHT/N. Krauss

Beim Filtertausch und Entlüften kann ein Gefäß wie etwa ein aufgeschnittener Kanister oder eine ausrangierte Tupperdose gute Dienste leisten, um herabtropfenden Kraftstoff aufzufangen und die Sauerei zu begrenzen. Dennoch sollte nach getaner Arbeit alles gründlich abgewischt werden. Denn erstens können Dieselspritzer für sehr unangenehme und schwer loszuwerdende Gerüche unter Deck sorgen, und zweitens ist es wichtig, Lecks in der Kraftstoffleitung rechtzeitig zu erkennen. Wenn dann nicht sicher ist, ob es sich um ein Leck oder die Hinterlassenschaft des vorangegangenen Filtertauschs handelt, ist das ungünstig.

Um Problemen im Kraftstoffsystem vorzubeugen, hilft schon die Wahl des richtigen Treibstoffs: Wenn es geht, nur Diesel ohne Bioanteil tanken (beispielsweise Shell V-Power oder Aral Ultimate), einen Trichter mit Filter verwenden und Additive gegen Dieselpest beimischen.

Der Luftfilter sollte ebenfalls überprüft werden. Meistens gibt es hier kein Problem. Wenn aber etwa der Keilriemen extremen Abrieb produziert hat, dann sollte auch der Luftfilter überprüft werden. Im einfachsten Fall lässt er sich reinigen.

Ein häufig vernachlässigter Punkt auf der Liste der Wartungsarbeiten ist das Getriebe­öl. Der Peilstab ist bei vielen Modellen in den Deckel der Einfüllöffnung integriert. Bei Maschinen von Yanmar muss man aber wissen, dass der Deckel erst abgeschraubt und dann zum Messen nur aufgelegt werden soll. Ist also nach dem Öffnen Öl am Peilstab zu sehen, kann insgesamt dennoch zu wenig im Getriebe sein. Auch wichtig: Motoröl hat im Getriebe nichts zu suchen. Hier muss ein spezielles Getriebeöl benutzt werden.

1. Kühlwasser ablassen    Erst wenn Ablassschraube und Kühlwasserdeckel geöffnet sind, läuft die Flüssigkeit schnell ab. Sonst entsteht Unterdruck
Foto: Alex Worms

Zur Früherkennung von Schäden ist es hilfreich, die Maschine sauber zu halten. Glasreiniger und ein Papiertuch eignen sich sehr gut, um den Schmierfilm nach den Wartungsarbeiten zu entfernen. Auf dem sauberen Motor lassen sich Probleme schon frühzeitig erkennen. Ob Abrieb vom Keilriemen, Leckagen bei Kraftstoff, Öl oder Kühlwasser, diesen Hinweisen sollte sofort nachgegangen und das Problem behoben werden.

Nach längeren Motoretappen kann ein prüfender Blick in den Motorraum helfen, um solche Probleme frühzeitig zu erkennen. Bestimmte Undichtigkeiten zeigen sich vielleicht erst, wenn die Maschine richtig warm ist. Außerdem kann auch ein Blick bei laufender Maschine nützlich sein, etwa um gelockerte Schraubverbindungen zu identifizieren. Ruckelt der Motor im Betrieb deutlich sichtbar, kann das ein Hinweis auf ein kaputtes Schwingelement am Motorlager oder eine gelöste Mutter sein. Die gesteigerten Vibrationen können weitere Schäden verursachen, etwa Scheuerstellen an Kabelbaum oder Bowdenzug. Das Problem früh zu erkennen kann also böse Überraschungen vermeiden helfen und trägt so zu einem herrlich stressfreien Sommertörn bei.

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