Philipp Buhl wird Achter bei Ilca-7-WM in Mexiko"Krass enttäuscht"

Tatjana Pokorny

 · 29.05.2022

Philipp Buhl wird Achter bei Ilca-7-WM in Mexiko: "Krass enttäuscht"Foto: John Pounder/JLDigitalMedia
Fand trotz starker Starts im WM-Revier kein Mittel für den Kampf um die Medaillen: Ilca-7-Steuermann Philipp Buhl wurde Achter

Dämpfer für Philipp Buhl: Bei der Ilca-7-WM (Ex-Laser) in Mexiko hat der Weltmeister von 2020 kein Wunschergebnis erzielt. Sein neuer Trainingspartner schon …

Fünf Sekunden lang umarmten sich Jean-Baptiste Bernaz und Philipp Buhl kurz vor der Siegerehrung herzlich und hüpften gemeinsam begeistert auf und ab. Einem von ihnen war gerade der große Wurf bei der Ilca-7-WM (vormals Laser) gelungen. Grund genug für die beiden neuen Trainingspartner, das ausgelassen zu feiern. Danach stieg der Franzose Jean-Baptiste Bernaz erstmals in seiner schon zwei Jahrzehnte währenden Laser- und Ilca-7-Karriere auf den höchsten WM-Podiumsplatz und ließ sich als neuer Champion feiern. Philipp Buhl, überragender Weltmeister von 2020, musste als Gesamt-Achter neben dem Podium stehen bleiben, freute sich aber aufrichtig für den Sparringspartner: "Es ist JBs erster WM-Titel. Ich bin froh, dass er es geschafft hat. Ich habe damit einen sehr starken Trainingspartner, mit dem es Spaß macht zu arbeiten und zu segeln." Zusammen bereiten sich der Franzose und der Deutsche auf Olympia 2024 vor. Eine Medaille ist für beide das erklärte Ziel. Hier geht es zum Interview mit dem neuen Weltmeister und Buhl-Trainingspartner "JB" Bernaz (bitte anklicken!).

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  Philipp Buhl mit dem Blick nach vorn. Bei der WM in Mexiko fehlte ihm ein Quäntchen zum Sprung aufs Podest, auch wenn Starts, Kampfgeist und Vorleistungen anderes signalisiert habenFoto: Felix Diemer/German Sailing Team
Philipp Buhl mit dem Blick nach vorn. Bei der WM in Mexiko fehlte ihm ein Quäntchen zum Sprung aufs Podest, auch wenn Starts, Kampfgeist und Vorleistungen anderes signalisiert haben
  Der neue Ilca-7-Weltmeister: Jean-Baptiste Bernaz aus FrankreichFoto: John Pounder/JLDigitalMedia
Der neue Ilca-7-Weltmeister: Jean-Baptiste Bernaz aus Frankreich

Für Philipp Buhl gab es bei diesen Welttitelkämpfen nach einmal Gold (2020), einmal Silber (2015) und zweimal Bronze (2013, 2018) keine Medaille. Wie schon bei der WM 2016 im selben mexikanischen Revier vor der Riviera Nayarit beendete Buhl die sechstägige Serie mit zwölf kräftezehrenden Wettfahrten in heißen Temperaturen und mit einer Windbandbreite von neun bis 17 Knoten auf dem wenig geschätzten achten Platz. "Ich bin krass enttäuscht", brachte der 32-Jährige aus Sonthofen seine Unzufriedenheit mit sich selbst kurz und ehrlich auf den Punkt. Zwar hat er in der WM-Woche seine Starts exzellent im Griff gehabt und sich darüber auch sehr gefreut, sogar "ein neues Puzzle-Teil" mit vielversprechendem Potenzial dazugewonnen. Auf der Kursseite der Startlinie aber fand Buhl kein Mittel, um ernsthaft in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. Buhl sagte: "Es lief einfach nicht rund. Ich werde das gründlich analysieren, habe aktuell noch Fragezeichen im Gesicht, wenn ich in den Spiegel schaue."

  Noch bei der Ursachenforschung für sein unbefriedigendes WM-Ergebnis: Philipp BuhlFoto: DSV/L. Wehrmann
Noch bei der Ursachenforschung für sein unbefriedigendes WM-Ergebnis: Philipp Buhl

Der Dynamo vom Segelclub Alpsee-Immenstadt hatte immer wieder Geschwindigkeitsprobleme und lag auch bei der Seitenwahl zu oft falsch. Der Mix aus kleineren Fehlern manifestierte sich im Verlauf der Weltmeisterschaft zu einem "nagenden Gefühl" und führte zu einer ganzen Reihe von schwerwiegenden zweistelligen Einzelergebnissen, auch wenn ein Wettfahrtsieg in der Qualifikation auf mehr hatte hoffen lassen. Auf die Frage, ob er vielleicht auch bei der Zulosung der vom Veranstalter gestellten Boote einmal etwas Pech gehabt habe, sagte Buhl nach kurzem Zögern: "Es wäre mir peinlich, die Schuld in diesem Bereich zu suchen, aber ja, ich werde mir auch das Boot noch einmal ganz genau ansehen. Ich weiß schon, dass es ein halbes Kilo schwerer war als das von JB und der Mast ein bisschen schief stand." Nach intensiven Trainings- und Regattamonaten wird Buhl nun eine Pause einlegen, will neue Kraft tanken und wieder durchstarten.

Für Buhls Teamkameraden Nik Aaron Willim geht der Kampf dagegen weiter. Für den so auffällig gut in diese Saison gestarteten Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein bedeutete der mit den Rängen 40 und 58 gründlich verpatzte WM-Finaltag einen schweren Schlag. Willim war als Gesamt-Dritter nach dem ersten Tag fabelhaft in die WM eingestiegen und lag vor den beiden Schlusswettfahrten noch auf Platz 13 –der hätte ihm nach vielen krankheitsbedingten Rückschlägen in den vergangenen Jahren endlich den so dringend erhofften Kaderplatz in der Segelnationalmannschaft bescheren können. Stattdessen kam der schwarze Samstag und mit Platz 21 im Abschlussklassement die Erkenntnis, dass er weiter für seinen Platz im German Sailing Team und die damit verbundene Förderung kämpfen muss.

Der Geschlagene sagte: "Mir fehlte am letzten Tag einfach die Kraft. Ich bin enttäuscht, dass ich es nicht geschafft habe. Die Fitness ist und bleibt ein erkannter Arbeitsschwerpunkt für mich. Ich habe in dieser Saison schon mit guten Plätzen bewiesen, dass ich das Potenzial habe. Ich zweifle also nicht am Großen und Ganzen, hätte aber gern das befreiende Gefühl der Qualifikation für die Nationalmannschaft gehabt. Dafür arbeite ich jetzt weiter."

Ilca-7-Trainer Alex Schlonski fühlte in Mexiko mit seinen Athleten. Auch der Coach vom German Sailing Team hatte nach dem überzeugenden Saisoneinstieg seiner beiden Schützlinge mehr erwartet: "Wir hatten gehofft, hier am Ende mit zwei Top-Ten-Platzierungen und einer Medaille zu stehen, wenn alles gut läuft. Die Jungs waren gut drauf und sind in Palma und Hyères in diesem Jahr schon sehr gut gesegelt. Philipp hat hier an zwei, drei Tagen zu viele kleine Punkte liegen gelassen, die WM dann aber mit einem soliden Tag positiv beenden können. Bei Nik liefen die ersten fünf Tage nach Plan, bevor das enttäuschende Finale kam. Das Athletiktraining bleibt für ihn ein Schwerpunkt. Jetzt steht erst einmal Heimtraining an."

  Kämpft weiter um seinen Platz in der Segelnationalmannschaft: Nik Aaron WillimFoto: Lars Wehrmann/German Sailing Team
Kämpft weiter um seinen Platz in der Segelnationalmannschaft: Nik Aaron Willim

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