"Starker Aufschlag"Saisonstart für das German Sailing Team: Mit Bronze und bester 470er-Steuerfrau gut durchgestartet

Tatjana Pokorny

 · 09.04.2022

"Starker Aufschlag": Saisonstart für das German Sailing Team: Mit Bronze und bester 470er-Steuerfrau gut durchgestartetFoto: SAILING ENERGY
Gesamt-Vierte mit der besten 470er-Steuerfrau beim Weltcup-Auftakt vor Mallorca: Luise Wanser und Philipp Autenrieth

Das German Sailing Team hat bei der ersten Weltcup-Regatta der Saison trotz einiger Dämpfer am Finaltag einen starken Eindruck hinterlassen

Die Bilanz des German Sailing Teams fällt nach dem Weltcup-Auftakt vor Mallorca positiv aus: Laser-Weltmeister Philipp Buhl bleibt im ILCA 7 mit Bronze eine Bank, die deutschen 470er-Mixed-Teams platzierten sich bei der ersten großen internationalen Regatta mit der neuen Olympiadisziplin auf Anhieb in der Weltspitze, die deutschen Board-Artisten konnten überzeugen – der Gesamteindruck, den bekannte wie neue GER-Teams in der Bucht von Palma de Mallorca hinterließen, ist vielversprechend. Das findet auch DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, die ihr Team vor Ort begleitete und beobachtete: "Das war ein starker Aufschlag und eine sehr gute erste Standortbestimmung. Wir waren zwar noch nicht in allen Disziplinen in Original-Besetzungen am Start und hatten während der Regatta einige Erkrankungen wegzustecken, obwohl sich alle unsere Athleten sehr achtsam verhalten haben. Wir haben aber bei dieser Trofeo Princesa Sofía sehr gute Ergebnisse erzielt. Das ist eine tolle Bestätigung für die Intensität und Güte des Wintertrainings und der Arbeit der Trainer und der Athleten."

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  Tolle Kulisse für die Laserflotte vor Palma de MallorcaFoto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofìa 2022
Tolle Kulisse für die Laserflotte vor Palma de Mallorca
  Zum Saisoneinstieg in glänzender Form: Philipp Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt/Norddeutscher Regatta Verein) bleibt auch auf dem Weg zur angestrebten dritten Olympia-Teilnahme eine Bank im German Sailing TeamFoto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofía 2022
Zum Saisoneinstieg in glänzender Form: Philipp Buhl (Segelclub Alpsee-Immenstadt/Norddeutscher Regatta Verein) bleibt auch auf dem Weg zur angestrebten dritten Olympia-Teilnahme eine Bank im German Sailing Team

Auf dem Weg zum angestrebten dritten Olympiastart gelang Philipp Buhl nach längerer Pause und dem Wiedereinstieg ins Training erst vor zwei Monaten ein überzeugender Auftritt, der lediglich durch den letzten Rang im Medaillenrennen am Finaltag einen kleinen Dämpfer erhielt. Der 32-jährige Olympia-Fünfte konnte sich selbst nicht erinnern, ob er zuvor jemals Letzter in einem Finale gewesen war. Die zuvor gezeigten Weltklasseleistungen reichten dennoch zum ersten Weltcup-Bronze in dieser Saison. "Das Medaillenrennen ist für mich wirklich nicht besonders gut gelaufen", sinnierte Buhl nach dem Finale mit den besten zehn ILCA-7-Steuermännern am Ende der sechstägigen spanischen Regatta, "ich habe zwar unseren Plan umsetzen können, doch der ging bei einem 30-Grad-Winddreher und abgeschaltetem Wind auf der rechten Seite nicht auf. Das war ein bisschen enttäuschend. Ich freue mich aber übers gute Gesamtergebnis und konnte erfolgreich am Bereich Start und Startkreuz arbeiten. Es war schön zu sehen, wie anders man segelt, wenn man von Beginn an dabei ist." Auch Buhls Trainer Alex Schlonski attestierte seinem Schützling einen gelungenen Saisonstart: "Das war ein blödes Medaillenfinale, obwohl es gut und nach Plan begonnen hat. Ich war happy, dass Philipp zunächst alles umsetzen konnte, was dann im Verlauf des Rennens nicht ganz aufging. Da war heute auch wirklich etwas Pech dabei, wenn der Wind erst mit 30 Grad dreht und dann noch ganz ausbleibt. Seine Gesamtleistung war gut." Nur der Brite Michael Beckett und der australische Olympiasieger Matt Wearn waren dieses Mal besser. Buhl ließ es sich vor der Siegerehrung nicht nehmen, an seinen Teamkameraden Nik Aaron Willim zu erinnern, der nach seiner Corona-Erkrankung den Start beim Spanien-Klassiker noch nicht hatte riskieren wollen: "Das ist extrem schade, weil Nik zuletzt so stark gesegelt ist. Ich hoffe, dass wir bei der French Olympic Week in Hyères Ende des Monats wieder gemeinsam angreifen können."

  Gut drauf zum Saisonstart: Laser-Weltmeister Philipp BuhlFoto: Felix Diemer/German Sailing Teams
Gut drauf zum Saisonstart: Laser-Weltmeister Philipp Buhl

Männer vs. Frauen: Luise Wanser war die erfolgreichste Steuerfrau im 470er-Mixed

Angriffslustig präsentierten sich auch Luise Wanser und Philipp Autenrieth in der neuen Olympia-Disziplin 470er-Mixed. Weil auch der Steuerfrau vom Norddeutschen Regatta Verein und ihrem Vorschoter vom Bayerischen Yacht-Club das Medaillenfinale mit Rang neun gründlich misslang, verpassten sie zwar den erhofften Podestplatz, konnten sich aber als Gesamt-Vierte dennoch über die direkte Etablierung in der Weltspitze freuen. Ebenso gelang Malte und Anastasiya Winkel als Achten eine überzeugende Top-Ten-Platzierung, die auch Theres Dahnke und Matti Cipra innehatten, als sie – wie eine ganze Reihe internationale Segler – von Corona ausgebremst wurden. Den Sieg im 470er-Mixed sicherten sich die spanischen Top-Favoriten Jordi Xammar und Nora Brugman mit überragendem Vorsprung. Interessant der Blick auf die Kombinationen in diesem neuen olympischen 470er-Wettbewerb, der 2024 vor Marseille Premiere feiert und wahlweise Frauen oder Männer am Steuer erlaubt. Auf der Suche nach den Idealkombinationen haben vor Mallorca drei Steuermänner die ersten drei Plätze mit Vorschoterinnen erobert. Luise Wanser war die beste 470er-Steuerfrau des Feldes und auch die einzige in den Top Five. Mit der starken Österreicherin Lara Vadlau an der Seite von Vorschoter Lukas Mähr und der Britin Vita Heathcote mit Ryan Orr konnten sich zwei weitere Steuerfrauen in den Top Ten platzieren. Die 470er-Mixed-Quote für die Top 20 in Palma – 14 Steuermänner und sechs Steuerfrauen – zeigte den aktuellen Trend.

  Aktuell kaum zu schlagen und die Messlatte im 470er-Mixed-Segelsport: die Spanier Jordi Xammar und Nora Brugman siegten vor MallorcaFoto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofía 2022
Aktuell kaum zu schlagen und die Messlatte im 470er-Mixed-Segelsport: die Spanier Jordi Xammar und Nora Brugman siegten vor Mallorca
  Beste Steuerfrau in der neuen olympischen 470er-Mixed-Disziplin: Luise Wanser mit ihrem Vorschoter Philipp AutenriethFoto: Felix Diemer/German Sailing Team
Beste Steuerfrau in der neuen olympischen 470er-Mixed-Disziplin: Luise Wanser mit ihrem Vorschoter Philipp Autenrieth
  Als Gesamt-Siebte im 470er-Mixed war die Österreicherin Lara Vadlau mit Vorschoter Lukas Mähr zweitbeste Steuerfrau beim ersten Weltcup der SaisonFoto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofía 2022
Als Gesamt-Siebte im 470er-Mixed war die Österreicherin Lara Vadlau mit Vorschoter Lukas Mähr zweitbeste Steuerfrau beim ersten Weltcup der Saison

Die deutschen 470er-Mixed-Teams zogen zufrieden Bilanz. Die Olympia-Sechste Luise Wanser sagte: "Das Medaillenrennen heute war ein kleiner Dämpfer. Wer will in der Gesamtwertung schon gern Vierter werden? Wir haben bei stark drehenden Winden heute vermutlich einen Strategiefehler gemacht, hätten nach dem Start dichter bei unseren direkten Gegnern im Kampf um die Medaillen bleiben sollen. Aber wir haben in dieser Woche bei der ersten international wirklich gut besetzten 470er-Mixed-Regatta auch gesehen, dass wir das Potenzial haben, Medaillen zu gewinnen. Das ist die gute Erkenntnis auf dem Weg zur nächsten Regatta, wofür wir nun hoffentlich einen gut haben …" 470er-Steuermann Malte Winkel sagte: "Der zehnte Platz im Medaillenrennen war sicher nicht der Abschluss, den wir uns gewünscht hatten. Mit etwas Abstand aber wird die Gesamtleistung Motivation schaffen. Uns war klar, dass wir durch das Studium etwas wenig Trainingszeit hatten und der Saisonauftakt noch etwas holprig verlaufen kann. Wir wissen nun aber, dass wir in der Spitze mitfahren. Wir müssen uns als Team international ganz sicher nicht verstecken."

  Segelten in Steuermann-Vorschoterin-Kombination vor Mallorca auf Platz acht: die 470er-Mixed-Crew Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein)Foto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofìa 2022
Segelten in Steuermann-Vorschoterin-Kombination vor Mallorca auf Platz acht: die 470er-Mixed-Crew Malte und Anastasiya Winkel (Schweriner Yacht-Club/Norddeutscher Regatta Verein)

"Ich bin nun sehr zuversichtlich für das, was noch kommt"

Das gilt genauso für die Aktiven in den neuen Olympia-Disziplinen Formula Kite für Männer und Formula Kite für Frauen. Jannis Maus (Cuxkiters e. V.) und Florian Gruber (Norddeutscher Regatta Verein) beendeten die Serie auf den Plätzen vier und sechs inmitten der Weltelite. Jannis Maus, der erst im Februar seinen Master in Physik erfolgreich absolviert hat, sagte: "Ich bin überglücklich! Da sieht man, was geht, wenn ich mich endlich nur aufs Kiten konzentrieren kann. Da kommt dann auch richtig was bei rum! Ich bin mit Blick auf die Saison super zuversichtlich, fühle mich auf Upwind wie Downwind sehr schnell und will mich in diesem Sattel halten." Auch Kiterin Leonie Meyer hat elf Monate nach der Geburt ihres Sohnes Levi und harter Arbeit fürs Comeback einen mächtigen Satz nach vorn gemacht und Platz neun erreicht. Ihr Fazit: "Unser Feld ist mit dem neuen Olympiastatus stärker, aber auch kompakter geworden. Ich konnte hier wieder Gegnerinnen schlagen, die auch vor der Geburt unseres Sohnes vor mir waren, sogar Daniela Moroz! Das hatte ich so noch nicht erwartet. Ich bin nun sehr zuversichtlich für das, was noch kommt."

  Hier sorgen die Akteurinnen in der neuen olympischen Segeldisziplin Formula Kite für ein ebenso rasantes wie farbenprächtiges Spektakel vor Mallorcas KüsteFoto: Sailing Energy / Princesa Sofía Mallorca 2022
Hier sorgen die Akteurinnen in der neuen olympischen Segeldisziplin Formula Kite für ein ebenso rasantes wie farbenprächtiges Spektakel vor Mallorcas Küste
  Glücklicher Jannis Maus: Als Vierter sieht sich der Kiter auf gutem Kurs, konnte sich nach absolviertem Master in Physik zuletzt endlich ganz auf seine Olympia-Kampagne konzentrieren und erfolgreich in die Saison startenFoto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofía 2022
Glücklicher Jannis Maus: Als Vierter sieht sich der Kiter auf gutem Kurs, konnte sich nach absolviertem Master in Physik zuletzt endlich ganz auf seine Olympia-Kampagne konzentrieren und erfolgreich in die Saison starten

"Ich glaube, ich muss jetzt ein bisschen an meinem Survival-Setup arbeiten"

Ein paar Federn lassen musste iQFoiler Sebastian Kördel am Finaltag: Als Vierter nach Weltklasseleistungen hoffnungsfroh in die Entscheidung gestartet, beendete der 31-Jährige vom Norddeutschen Regatta Verein die Serie nach nur einem verpatzten Reach-Abschnitt als Gesamt-Siebter. Anders als in den herkömmlichen Segeldisziplinen, in denen die Crews ihre Punkte aus dem Hauptfeld bis in die finale Entscheidung mitnehmen, fangen die Board-Akteure im iQFoil und die Kiter mit ihren unterschiedlich gestalteten Finalrunden noch einmal bei null an. Da kann schon ein Patzer zum vorzeitigen Aus im Viertelfinale führen. Mit Augenzwinkern sagte Kördel trotz seiner Enttäuschung: "Wenn wir Wind zwischen zehn und 20 Knoten haben, überholt mich auf der Geraden niemand. Vielleicht war ich heute nicht locker genug. Ich glaube, ich muss jetzt mal ein bisschen an meinem Survival-Setup arbeiten." Pech hatten die Rio-Bronzemedaillengewinner Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kieler Yacht-Club), die gewohnt stark in die Regatta eingestiegen waren. Das Team musste sich ab Tag drei mit erkranktem Steuermann abmelden und setzt nun aufs baldige Comeback. Nächste große Regatta für die Besten im German Sailing Team ist die French Olympic Week vor Hyères vom 23. bis zum 30. April. Hier geht es zu den Ergebnissen der ersten Weltcup-Runde vor Palma de Mallorca (bitte anklicken!).

  Starker Vierter nach der Hauptrunde, am Ende Siebter nach nur einem Patzer: iQFoiler Sebastian Kördel (Norddeutscher Regatta Verein)Foto: SAILING ENERGY/Trofeo Princesa Sofía 2022
Starker Vierter nach der Hauptrunde, am Ende Siebter nach nur einem Patzer: iQFoiler Sebastian Kördel (Norddeutscher Regatta Verein)

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