Défi AzimutBoris Herrmanns neue Imoca besteht erste Bewährungsprobe

Tatjana Pokorny

 · 19.09.2022

Défi Azimut: Boris Herrmanns neue Imoca besteht erste BewährungsprobeFoto: C. Favreau / Défi Azimut

Die erste Regatta-Bewährungsprobe von Boris Herrmanns neuer “Malizia – Seaexplorer” ist bestanden. Im 48-Stunden-Rennen Défi Azimut hat Team Malizia Platz drei in der The-Ocean-Race-Wertung belegt. Zwei Monate nach der Erstwasserung zählten vor allem Ankommen und Informationsgewinnung zur fortlaufenden Optimierung der Imoca

28 Imocas waren am 15. September von Lorient zu einem Rundkurs im Atlantik aufgebrochen. Die Boote waren in zwei Flotten eingeteilt: eine Einhandflotte mit 24 Startern und eine Gruppe von vier Imocas, die am Ocean Race teilnehmen wollen und mit vollen Crews ins Rennen gingen. Nur Ocean-Race-Kandidat Kévin Escoffier segelte seine “Holcim PRB” solo. Seine Crew für die Mannschaftsweltumsegelung ist noch nicht offiziell bekannt gegeben. Paul Meilhat und sein Biotherm-Team mussten ihre Teilnahme wenige Wochen nach ihrem Stapellauf kurz vor Rennstart mit technischen Problemen absagen.

Deutsche Segler kamen beim ersten Kräftemessen im Défi Azimut auf den Plätzen zwei und drei ins Ziel

Den Sieg im kleinen Feld der “Ocean-Race-Imocas” im Défi Azimut sicherte sich das sehr erfahrene 11th Hour Racing Team um US-Skipper Charlie Enright. Boris Herrmann, seine Co-Skipper Will Harris, Rosalin Kuiper und Nico Lunven sowie An-Bord-Reporter Antoine Auriol verteidigten über weite Abschnitte Rang zwei, kamen schließlich als Dritte hinter dem französisch-deutschen Guyot Environnement – Team Europe mit den Co-Skippern Benjamin Dutreux, Robert Stanjek und ihren Mitstreitern ins Ziel.

Die erste Regatta-Bewährungsprobe hat Boris Herrmanns Team Malizia mit der neuen Imoca im Défi Azimut bestandenFoto: Jimmy Horel
Die erste Regatta-Bewährungsprobe hat Boris Herrmanns Team Malizia mit der neuen Imoca im Défi Azimut bestanden

Boris Herrmann zog nach dem Belastungstest für sein neues Boot positiv Bilanz: “Ich bin sehr zufrieden mit dem Rennen. Es war eine gute Zeit, denn wir waren zum ersten Mal 48 Stunden lang im Rennmodus und mit Konkurrenten unterwegs. Das hat uns viele nützliche Informationen geliefert: Sind wir im richtigen Winkel? Ist es die richtige Geschwindigkeit? Ist das Boot wirklich schnell oder nicht? Ich bin sehr zufrieden, denn es scheint, dass das Boot viel Potenzial hat. Jetzt liegt es an uns als Team, dieses Potenzial auszuschöpfen. Es war ein großartiger Test und eine großartige Leistung des gesamten Teams, so kurz nach dem Start ein zuverlässiges Boot zu haben.”

Boris Herrmann zog nach dem Défi Azimut eine positive erste BilanzFoto: Team Malizia/Antoine Auriol
Boris Herrmann zog nach dem Défi Azimut eine positive erste Bilanz

The Ocean Race startet am 15. Januar 2023 im spanischen Alicante. Bis dahin wird Team Malizia Trainingseinheiten wie beispielsweise in Port-La-Forêt absolvieren und dabei auch die Crew-Konfiguration im Fokus haben. Boris Herrmann wird außerdem im November dieses Jahres an der Route du Rhum von Saint Malo nach Guadeloupe teilnehmen, seiner ersten Solo-Regatta seit dem Abschluss der Vendée Globe 2020/21.

Benjamin Dutreux: “Wir müssen schnell lernen!”

Auch Guyot Environnement – Team Europe diente das Défi Azimut zu Test- und Trainingszwecken. Die Co-Skipper Benjamin Dutreux und Robert Stanjek nutzten mit Annie Lush und Phillip Kasüske die Chance, sich mit den anderen Imoca-Teams in der Vorbereitung auf das Ocean Race 2023 zu messen. Benjamin Dutreux sagte: “Es ist das erste Jahr für mich auf einem Foiling-Boot. Ich habe vor vier Monaten angefangen. Gemeinsam mit dem Team ist es die erste Woche auf dem Boot. Wir müssen also schnell lernen!” Für Dutreux steht wie für Boris Herrmann ab 6. November die Route du Rhum im Solo auf dem Plan. Auch sein Team wird danach wieder in den Crew-Modus wechseln und sich voll auf das Ocean Race konzentrieren.

Das Guyot Environnement – Team Europe mit den Co-Skippern Benjamin Dutreux und Robert StanjekFoto: Guyot Environnement – Team Europe
Das Guyot Environnement – Team Europe mit den Co-Skippern Benjamin Dutreux und Robert Stanjek

Erschöpft, aber glücklich kehrte Robert Stanjek nach zwei fordernden Tagen in der Biskaya nach Lorient zurück: “Unsere erste Trainingswoche auf diesem Boot und das Rennen dienten dazu, die Hardware kennenzulernen, nachdem wir zum The Ocean Race Europe noch auf einem Non-Foiler gesegelt sind. Ich muss feststellen: Ein foilender Imoca ist ein Wahnsinn! Die Boote halten unvorstellbare Kräfte aus, in bestimmten Bedingungen ist das Bewegen auf dem Imoca eine Herausforderung, die nicht ohne Knieschützer in gebückter Haltung und mit einigen Beulen gemeistert werden kann.” Die berauschenden Foil-Passagen seien jedoch der schöne Ausgleich für die Strapazen, so Stanjek.

Der Berliner sagte weiter: “Ich bin erstaunt, wie stabil das Boot segelt, wenn man es auf den Foils hat. Aber auf jeden Flug folgt auch eine harte Landung. In der zweiten Nacht der Défi Azimut sind wir auf spitzem Raumwindkurs durch die Nacht gefoilt. Die Welle stand nach einer Winddrehung noch gegenan, sodass wir durch einen Tunnel aus Gischt geflogen sind. Ein brutales Erlebnis!”

Das  französisch-deutsche Team Guyot Environnement – Team Europe im Défi AzimutFoto: Alexander Champy-McLean/The Ocean Race
Das französisch-deutsche Team Guyot Environnement – Team Europe im Défi Azimut

Robert Stanjek: “Der Lernprozess für die Crew wird bis in das The Ocean Race hineinragen”


Die Erkenntnis des Teams: Die erprobte Yacht, die zuvor von 11th Hour Racing gesegelt worden war, meisterte die Bedingungen gut, zeigte Potenzial. “Wir müssen jetzt noch das Team entwickeln. Das wird ein Lernprozess sein, der bis in das The Ocean Race hineinragen wird”, erklärt Stanjek die angestrebte steile Lernkurve. Nicht nur er weiß: “Derzeit ist 11th Hour Racing deutlich überlegen. Sie haben gegenüber den anderen Teams das Alleinstellungsmerkmal: Sie haben sich seit drei Jahren auf die Vorbereitung für das The Ocean Race fokussiert.”

Co-Skipper Robert Stanjek an Bord der “Guyot  Environnement – Team Europe”Foto: Charles Drapeux / Guyot Environnement – Team Europe
Co-Skipper Robert Stanjek an Bord der “Guyot Environnement – Team Europe”

Für das Guyot Environnement – Team Europe beginnt die weitere Vorbereitung auf den Start am 15. Januar in Alicante nach der Route du Rhum. “Die Crew wird die Rückkehr der Yacht aus der Karibik zu einem intensiven Training auf dem Atlantik nutzen“, berichtet Teammanager Jens Kuphal. “Nach der Rückkehr direkt nach Alicante, wird der Imoca intensiv durchgecheckt und in Abschlusstrainings für den Start vorbereitet”, so Kuphal.

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