KielwasserUlrike Ufer über ihre Leidenschaft für die Leisure 17

Ursula Meer

 · 20.09.2022

Kielwasser: Ulrike Ufer über ihre Leidenschaft für die Leisure 17Foto: YACHT/B. Scheurer

Klein, aber tapfer: Die Leisure 17 gehört mit 5,18 Metern zu den kleinsten Kajütyachten, gilt aber dennoch als seetüchtig. Mehr als 4.500 der beliebten Boote wurden von 1965 bis 1990 von der britischen Cobramold-Werft gebaut. Die Hamburgerin Ulrike Ufer berichtet im YACHT-Interview über ihre Leidenschaft für die Leisure 17.

Die Leisure 17 ist das Boot der unbegrenzten Möglichkeiten: Sie hat einen so geringen Tiefgang und ist so seetüchtig, dass man mit ihr überall hinkommt. Wenn nicht, liegt das am Kapitän, nicht am Boot

Sagen Sie mal, Frau Ufer: Warum sind Sie Leisure-17-Fan?

Sie ist das Boot der unbegrenzten Möglichkeiten: Sie hat einen so geringen Tiefgang und ist so seetüchtig, dass man mit ihr überall hinkommt. Erst recht mit einer Mastlegevorrichtung. Wenn man nicht ankommt, liegt das am Kapitän, nicht am Boot. Sie ist so klein, dass sie in jedem Hafen noch in eine Ecke passt. Außerdem ist sie ein zutiefst demokratisches Boot.

Das müssen Sie bitte erklären.

Die Leisure 17 ermöglicht auch Menschen mit kleinem Budget, schöne Stunden auf dem Wasser zu erleben. Segeln hat ja oft den Ruf, den Reichen und Schönen vorbehalten zu sein. Dabei gibt es jede Menge Videos von Leuten, die mit kleinen Booten und großem Spaß segeln. Unter anderem auch ein paar richtig durchgeknallte Briten, die mit erkennbar wenig Geld ihre Schiffchen für die Fahrt an der nicht gerade einfachen britischen Küste ausgestattet haben.

Wie kamen Sie zu Ihrer Leisure-Leidenschaft?

Ich wollte erst mal klein anfangen und war auf der Suche nach einem Boot im Kleinkreuzersegment. Dabei stieß ich auf ein Bild, auf dem ein tapferes kleines Boot mit gerefftem Großsegel durch nicht unerhebliche Wellen stampft. Ich war total beeindruckt. Nachfragen bei der britischen Leisure Owners Association haben ergeben: Es ist nicht bekannt, dass eine Leisure 17 jemals gekentert wäre. Das hat mich überzeugt, und ich habe die „Frya“ schließlich gekauft. Sie segelt tatsächlich wie auf Schienen. Und wenn man es übertreibt, schießt sie einfach in den Wind, als hätte sie eine eingebaute Bremse. Diese Kombination aus Sicherheit und Segelspaß ruft auch bei vielen ehemaligen Eignern unvergessliche Erinnerungen hervor, das habe ich immer wieder erfahren.

Die Journalistin Ulrike Ufer aus Hamburg ist langjährige Kennerin und einer der größten Fans der Leisure 17 östlich von Großbritannien. In Eignergemeinschaft mit ihrer Schwester segelt sie ihre „Frya“ auf den Gewässern Berlins und der OstseeFoto: Privat
Die Journalistin Ulrike Ufer aus Hamburg ist langjährige Kennerin und einer der größten Fans der Leisure 17 östlich von Großbritannien. In Eignergemeinschaft mit ihrer Schwester segelt sie ihre „Frya“ auf den Gewässern Berlins und der Ostsee

Wie das?

Als ich mit „Frya“ in Travemünde lag, haben ständig Leute von der Pier heruntergeschaut und gesagt: „Ach, eine Leisure 17, die hatte ich auch mal. Ich habe sie verkauft, was für ein Riesenfehler!“ Gerade ältere Menschen kaufen sich gern noch einmal eine Leisure 17. Wenn sie das tun, sagen sie oft: „Das ist mein letztes Boot.“ Vielleicht holen sie sich damit ihre Jugend noch einmal zurück, die ganzen Geschichten. Und die haben diese kleinen Boote durchaus schon geschrieben – unter anderem eine ganz besondere.

Welche Geschichte meinen Sie?

Der Deutsche John Adam ist 1968 mit seiner Leisure 17 „Eve“ von England nach Kuba gesegelt und hat dabei quasi nebenbei die Windfahnensteuerung erfunden. Er war kein Irrer, der einfach mal losgesegelt ist, sondern ausgebildeter nautischer Offizier. Auf Kuba angekommen, mitten im Kalten Krieg, wurde er sofort verhaftet und saß wochenlang im Gefängnis. Niemand glaubte ihm, dass man mit so einem kleinen Boot über den Atlantik kommen kann. Man hielt ihn für einen Spion.

Und dann?

Nach seiner Rückkehr nach Europa hat Adam die Windfahnensteuerung optimiert und unter der Marke „Windpilot“ viele Jahre vertrieben – eine segensreiche Erfindung für jeden Langfahrer, die auf einer Leisure 17 entstand.

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