Steigende EnergiekostenSo leiden die Segelvereine

Jan Zier

 · 19.09.2022

Steigende Energiekosten: So leiden die SegelvereineFoto: DSV

Auch die Segelvereine haben mit steigenden Kosten für Gas und Strom zu kämpfen – in den kommenden Monaten sollen sie 20 Prozent Energie einsparen, sagt der DSV

Auch bei den Segelclubs machen sich die rapide steigenden Preise bemerkbar: Beim traditionsreichen Berliner Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) etwa haben sich die Kosten fürs Gas gerade mal eben verdreifacht. Was zuletzt 18.000 Euro kostete, schlägt künftig mit 70.000 Euro zu Buche. „Wir wissen noch nicht, wie wir das stemmen“, sagt Geschäftsführer Frank Butzmann, auch wenn er den Verein noch nicht existenziell bedroht sieht.

Doch im Februar läuft der VSaW dann vielleicht nur noch „im Notbetrieb“ - Seminare, Trainings und der Werftbetrieb würden dann ausfallen. Das riesige Vereinsheim stammt noch aus Kaiserzeiten und ist denkmalgeschützt, an Solarstrom, Dämmung oder Wärmepumpen ist da nicht mal zu denken. Und die Beleuchtung sei schon vor Jahren auf LEDs umgestellt worden, sagt Butzmann.

Stufenplan des DSV

20 Prozent sollen die Segelvereine in den kommenden Monaten bei der Energie einsparen, „um pauschale Schließungen von Sportstätten zu vermeiden“. So hat es das Präsidium des Deutschen Segler-Verbands (DSV) beschlossen, und so steht es auch in einem Aufruf des Deutschen Olympischen Sportbundes an seine über 1.200 Mitgliedsvereine. Dazu gibt es einen langen Stufenplan, der den Vereinsverantwortlichen beim Energiesparen helfen soll.

Empfohlen wird unter anderem eine „Absenkung der Raumtemperatur“ sowie eine „kritische Prüfung aller elektronischen Geräte auf Verbrauch und Betriebszeit“, dazu allerlei kurz- wie langfristige Maßnahmen, die jetzt allerorten empfohlen werden. „Selbstverständlich werden wir auch beim DSV zeitnah den Gas- und Stromverbrauch absenken“, sagt dessen Präsidentin Mona Küppers. Wärmedämmung und LED-Beleuchtung sollen dabei helfen, Bewegungsmelder fürs Licht oder der Verzicht auf Standby-Betrieb bei elektrischen Geräten. Auch die Möglichkeit einer Solaranlage auf dem Dach werde geprüft. Küppers fordert zugleich von der Politik „eine spürbare finanzielle Unterstützung“ ein. „Es ist unverständlich, dass die Vereine auch im dritten Entlastungspaket der Bundesregierung nicht berücksichtigt wurden“, so Küppers.

So wollen die Segelvereine Energie sparen

In vielen Segelvereinen, mit denen die YACHT sprach, wird nun nach Möglichkeiten gesucht, den Verbrauch an Energie zu senken. Beim Norddeutschen Regatta Verein (NRV) in Hamburg wird schon jetzt überall Strom gespart, etwa bei der Beleuchtung am Steg, beim Licht in der Gastronomie oder bei der Kühlung in der Küche. Im August wurden so schon zehn Prozent eingespart, verglichen mit dem Vormonat. „Man muss gut haushalten“, sagt David Heitzig, der als Clubmanager für die Finanzen des NRV zuständig ist. Trotz der vielen Einsparmaßnahmen „wird der finanzielle Puffer des Vereins jetzt langsam aufgebraucht“, so Heitzig.

An den Angeboten des Vereins wird derzeit noch nicht gespart, alles findet weiterhin statt, obwohl das Gas um 40 und der Strom sogar um 50 Prozent teurer wurde. Zeitgleich werden die Motorboote auf der Alster im Sinne der Nachhaltigkeit auf Elektroantrieb umgerüstet, was wiederum den Stromverbrauch in die Höhe treibt. Um bessere Konditionen bei den Energieverträgen aushandeln zu können, ist der NRV aber schon seit 2021 Mitglied einer Einkaufsgemeinschaft, zu der neben kleinen Unternehmen auch andere Vereine gehören. Über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach wurde zwar schon nachgedacht – bisher wurde das an der Alster aber noch nicht genehmigt. Das ändert sich gerade, so Heitzig.

Der Norddeutsche Regatta Verein in Hamburg spart unter anderem an der Beleuchtung des GeländesFoto: DSV
Der Norddeutsche Regatta Verein in Hamburg spart unter anderem an der Beleuchtung des Geländes

Keine Einschränkung bei Angeboten

In dieser Hinsicht ist man beim Bayerischen Yacht-Club am Starnberger See schon weiter, erzählt der 1. Vorsitzende Manfred Steiner. Dort wird gerade schon eine Photovoltaik-Anlage geplant, die 2024 in Betrieb gehen soll. „Die Angebote wollen wir in keinem Fall einschränken“, einige Gebäude sollen im Winter aber nicht genutzt werden. „Wir analysieren gerade: Wo können wir Energie einsparen?“, sagt Steiner – die vom DSV vorgegebenen 20 Prozent hält er aber durchaus für „realistisch“.

Der Bayerische Yacht-Club am Starnberger See hält 20 Prozent Einsparung für realistischFoto: DSV
Der Bayerische Yacht-Club am Starnberger See hält 20 Prozent Einsparung für realistisch

Anders sieht es bei kleinen Vereinen wie dem Wassersportverein Motzen an der Weser aus, der etwa 120 Mitglieder hat. „Bei uns ist das bisher noch nicht so relevant“, sagt der Vorsitzende Holger Stockfleth. Das liegt aber auch daran, dass das direkt am Fluss gelegene Clubhaus schon länger verwaist – das Vereinsleben dort hat bereits unter der Corona-Pandemie stark gelitten.

Auch interessant:

Meistgelesene Artikel