The Ocean RaceVier Asse für Boris – Team Malizias Segelcrew

Tatjana Pokorny

 · 03.09.2022

The Ocean Race: vier Asse für Boris – Team Malizias SegelcrewFoto: Yann Riou – polaRYSE
Alles auf Rot: Team Malizias Segelcrew bei der Erstwasserung der neuen Imoca „Malizia – Seaexplorer“ im Juli in Lorient. Von rechts: Nicolas Lunven, Will Harris, Boris Herrmann und Rosalin Kuiper

Das 14. The Ocean Race startet am 15. Januar 2023 im spanischen Alicante. In der Tradition des Whitbread Round the World Race und des Volvo Ocean Race führt die bekannteste Mannschaftsregatta die Starter in zwei Divisionen über 32.000 Seemeilen um die Welt. Sieben Etappen und ein Fly-By in der „Sailing City“ Kiel gilt es zu meistern. Sein Mitstreiter für die Herausforderung hatte Skipper Boris Herrmann schon vor Fertigstellung und Taufe der neuen Imoca am 6. September in Hamburg formiert. Team Malizias Crewmitglieder in Kurzporträts

Boris Herrmann hat sein Segelteam ohne großes Tamtam nach Güte, Erfahrungshorizont und menschlicher Passung zusammengestellt. Bislang bilden vier starke Akteure mit dem 41-jährigen viermaligen Weltumsegler Herrmann das Quintett, das im Januar in der Imoca-Division ins 14. The Ocean Race startet. Mindestens ein weiterer Auswechselplayer wird voraussichtlich noch dazukommen. Zur Crew, deren Mitglieder zwischen 27 und 41 Jahre alt sind, zählen ebenso Segler mit Erfahrung als auch aufstrebende junge Talente, die sich im The Ocean Race profilieren wollen. Teamgründer Boris Herrmann sagt: „Ich freue mich sehr, Teil einer Crew zu sein, die eine so vielversprechende Mischung von Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Erfahrungen ist.“ Herrmanns Teamkameraden kommen bislang aus England, den Niederlanden und Frankreich. Hier geht es zu Team Malizias Homepage.

Verlagssonderveröffentlichung

Treuer Wegbegleiter und Navigationsass: Co-Skipper Will Harris

Eine Momentaufnahme von Will Harris im Transat Jacques Vabre 2019 | Foto: Team Malizia
Eine Momentaufnahme von Will Harris im Transat Jacques Vabre 2019 | 

Der Brite Will Arthur Edward Harris verstärkte Team Malizia bereits 2019. Der ruhige und sympathische Mann aus Weybridge im Südosten Englands bestritt mit Boris Herrmann in erster gemeinsamer Mission das Zweihandrennen Transat Jacques Vabre. Die Chemie stimmte, Harris wurde zu Herrmanns loyalem Wegbegleiter. Der 28-Jährige hat die Aura eines Felsens in der Brandung, bewahrt auch in haarigen Momenten die Ruhe. Als einer der jüngsten Meteorologen und Navigatoren im internationalen Profisegelsport ist Will Harris bereits zur Instanz gereift. Die Basis dafür hat er mit einem Bachelorstudium der Ozeanografie an der Universität von Southampton geschaffen.

Will Harris beim Malizia-Fotoshooting in LorientFoto: Ricardo Pinto/Team Malizia
Will Harris beim Malizia-Fotoshooting in Lorient

Während Herrmanns Solo-Weltumsegelung bei dessen Vendée-Globe-Premiere 2020/2021 war es Harris, der nicht nur seinen Skipper von Land aus mit reicher Expertise unterstützte, sondern den Rennverlauf auch dem großen Publikum kenntnisreich und nachvollziehbar näherbrachte. Mit viel technischem Know-how ist Harris zum wertvollen Teamplayer herangereift, begleitete den gerade erst abgeschlossenen Bau der neuen Imoca „Malizia – Seaexplorer“ in Frankreich intensiv. Nachdem er im 13. The Ocean Race die Landmannschaft des Rennmanagements der Veranstalter verstärkt hatte, blickt Harris nun seiner Segelpremiere bei der populären Mannschaftsregatta um die Welt entgegen.

Typisch Will Harris: ein freundliches Lächeln und 1001 Gedanken im KopfFoto: Ricardo Pinto/Team Malizia
Typisch Will Harris: ein freundliches Lächeln und 1001 Gedanken im Kopf

Das Rüstzeug dafür hat er sich in den vergangenen Jahren bei vielen Einsätzen mit Boris Herrmann erworben. Die beiden Hs – Herrmann und Harris – verstehen sich auf dem Boot so gut wie an Land. Harris sagt: „Team Malizia ist wie eine Familie, die jetzt noch einmal gewachsen ist.“ Harris selbst war in seiner bisherigen Karriere maximal 21 Tage auf See. Die historisch längste Etappe im The Ocean Race von Kapstadt ins brasilianische Itajaí wird etwa fünf Wochen dauern. „Das wird vielleicht ein Schock, aber das für mich Schönste am Offshore-Segeln ist es, in den Rhythmus zu kommen und in den entlegensten Revieren zu sein. Ich freue mich sehr auf diese Herausforderung.“

Co-Skipper Nicolas Lunven: Ocean-Race-Kenner und Siegertyp

Nicolas Lunven in Team-Malizia-Farben und mit der französischen Flagge seiner Heimat auf dem Arm. Der Franzose kam in diesem Sommer zum TeamFoto: Ricardo Pinto/Team Malizia
Nicolas Lunven in Team-Malizia-Farben und mit der französischen Flagge seiner Heimat auf dem Arm. Der Franzose kam in diesem Sommer zum Team

Er ist der jüngste Neuzugang im Team und feiert im November seinen 40. Geburtstag: Nicolas Lunven lernte Segeln, sobald er laufen konnte. Der Sohn einer Seglerfamilie aus Vannes in Frankreich verbrachte seine Freizeit meist auf dem Familienboot im Golf von Quiberon. Bereits während er Management und Verwaltung studierte, hatte er bei einer Reihe von Regatten sowohl im hochseeaffinen Frankreich als auch auf internationaler Ebene brilliert.

Verstärkt Boris Herrmanns Team Malizia als dritter Co-Skipper: Nicolas LunvenFoto: Yann Riou – polaRYSE/Malizia
Verstärkt Boris Herrmanns Team Malizia als dritter Co-Skipper: Nicolas Lunven

Aufsehen erregte er mit einem Start-Ziel-Sieg bei der Solitaire du Figaro 2009 im Alter von 26 Jahren. Das Figaro gilt als extrem anspruchsvoll und als Meistermacher-Bühne. 2017 gewann Lunven den Härtetest erneut. Im selben Erfolgsjahr holte er seinen dritten Sieg im Solo Maître Coq, den zweiten Titel bei der Tour de Bretagne und wurde zum französischem Offshore Racing Champion gekürt. Damit fiel er sogar in einem Land auf, das so reich an Seesegeltalenten ist wie seine Heimat. Nicolas Lunven hat nicht nur dreimal am Transat Jacques Vabre teilgenommen, sondern auch am Volvo Ocean Race 2014/15 (in der Anfangsphase auf „Mapfre“) und 2017/18 („Turn the Tide on Plastic“). Nun ist er bereit, zum dritten Mal am wichtigsten Mannschaftsrennen um die Welt teilzunehmen.

Ehemann, Vater von drei Kindern und einer der erfolgreichsten Offshore-Segler Frankreichs: Nicolas Lunven ist im Team Malizia angekommenFoto: Yann Riou – polaRYSE/Malizia
Ehemann, Vater von drei Kindern und einer der erfolgreichsten Offshore-Segler Frankreichs: Nicolas Lunven ist im Team Malizia angekommen

Nicolas lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Nordwesten der Bretagne, wo er die Nähe zum Meer genießt. Zu seinem Engagement im Team Malizia sagt er: „Boris habe ich vor einigen Jahren kennengelernt. Wir sind uns über den Weg gelaufen und haben uns immer auf sehr nette Weise ausgetauscht. Er ist ein sehr umgänglicher Mensch. Ich kann es kaum erwarten und bin begeistert, dass wir gemeinsam am Ocean Race teilnehmen werden. Ich bin Navigator auf dem Wasser, aber ich habe in den letzten Monaten auch an der Entwicklung und Optimierung des Bootes mitgewirkt. Das wird ein höllisches Abenteuer werden!

Co-Skipperin Rosalin Kuiper: willensstarke Aufsteigerin mit klugem Kopf

Team Malizias Co-Skipperin Rosalin Kuiper in der WerkstattFoto: Antoine Auriol/Team Malizia
Team Malizias Co-Skipperin Rosalin Kuiper in der Werkstatt

Sie sieht aus wie das sympathische Mädchen von nebenan, entfaltet aber im Segelsport eine Kraft und eine Leidenschaft, die sie schon in jungen Jahren weit haben kommen lassen: Auf diese Qualitäten und das Können der Niederländerin Rosalin Kuiper vertraut Boris Herrmann. Die 27-Jährige hatte vor ihrem Malizia-Engagement im The Ocean Race Europa auf „AkzoNobel“ die Segel getrimmt. Rosalin Kuiper hat an der gleichen Universität in Leiden Psychologie studiert, an der auch Hollands Hochsee-Ikone und erste Ocean-Race-Gewinnerin Carolijn Brouwer studierte. Die dynamische Seglerin besitzt einen selbst ausgebauten Wohnbus, liebt Radfahren und Kiten. Aber mehr noch das abenteuerliche Offshore-Segeln.

Rosalin Kuiper an ihrem ArbeitsplatzFoto: Antoine Auriol/Team Malizia
Rosalin Kuiper an ihrem Arbeitsplatz

Rosalin Kuiper ist im Alter von sechs Jahren in der Nähe ihrer Heimatstadt Zoetermeer klassisch im Optimisten durchgestartet, wurde dabei oft von ihrem Hund Takkie begleitet. Natur und Segeln begeisterten sie gleichermaßen. Die Niederländerin ist durch und durch Sportlerin, immer darauf fokussiert, sich zu steigern und zu siegen. Nach Intensiv-Engagements in der Leichtathletik und im Hockey erfolgte ihr Segel-Comeback im Alter von 18 Jahren: Sie war allein in Australien unterwegs und bemerkte, dass sie stundenlang Segelschiffe in Häfen anstarrte. Sie nahm daraufhin einen Job als Deckhand auf einem Segelschiff in den Whitsundays Islands an und wusste fortan, dass sie ihre Berufung gefunden hatte.

Profiseglerin und Co-Skipperin im Team Malizia: Rosalin Kuiper blickt ihrer Premiere im The Ocean Race entgegenFoto: Yann Riou – polaRYSE/Malizia
Profiseglerin und Co-Skipperin im Team Malizia: Rosalin Kuiper blickt ihrer Premiere im The Ocean Race entgegen

Nach ihrer Rückkehr besuchte Rosalin Kuiper eine Segelschule und wurde in die Jugendsegelakademie unter der Leitung von Finn-Steuermann und Hochsee-Haudegen Roy Heiner aufgenommen. Hier fing sie Feuer, während ihr eigener Traum von einer Teilnahme im The Ocean Race immer konkretere Formen annahm. Sie hat Klassiker wie das Fastnet Race, das Sydney to Hobart Yacht Race oder das Middle Sea Race im Heckwasser. Ihr Ziel der erfolgreichen Teilnahme am The Ocean Race hat Rosalin Kuiper mit beeindruckender Beharrlichkeit verfolgt. Jetzt ist sie mit Team Malizia im Oberhaus ihres Sports angekommen, um sich im Königsrennen zu bewähren – und zu bleiben.

TV-Mann und Kite-Weltmeister: Anbord-Reporter Antoine Auriol

Antoine Auriol bei der Arbeit. Er bereitet sich auf seine Premiere im The Ocean Race vorFoto: Antoine Auriol
Antoine Auriol bei der Arbeit. Er bereitet sich auf seine Premiere im The Ocean Race vor

Teil des Teams an Bord ist auch der 37-jährige Antoine Auriol. Der französisch-deutsche Videograf wird als Onboard-Reporter (kurz: OBR) das Rennen und Teamaktivitäten dokumentieren. Antoine Auriol ist nicht nur ein bekannter TV-Journalist, der mehrere Dokumentarserien für das französische Fernsehen kreiert hat. Der Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters ist auch selbst Profisportler, wurde 2010 Kiteboard Pro World Champion. Geboren in Vouziers in den französischen Ardennen, entdeckte er nach dem Umzug der Familie in die Bretagne die Freiheit auf dem Meer für sich. In seiner Familie, sagt Antoine Auriol, sei der Sport zu einer Form der Kunst geworden.

Wer bin ich, was mache ich? Fotograf Ricardo Pinto machte dieses Bild von seinem Kollegen und Anbord-Reporter Antoine AuriolFoto: Ricardo Pinto/Team Malizia
Wer bin ich, was mache ich? Fotograf Ricardo Pinto machte dieses Bild von seinem Kollegen und Anbord-Reporter Antoine Auriol

Als Junge war er ein begabter Turner und Trampolinspringer, zählte zu Frankreichs Top Fünf in seiner Altersgruppe. Im Alter von 15 Jahren wurde der Windsurfsport zu seinem Elixier. 2003 gewann er die Jugend-Europameisterschaft in der olympischen Windsurfklasse und verliebte sich gleichzeitig ins neu aufkommende Kiten. Beim Kiten konnte er alle seine Talente einbringen: als früherer Turner mit viel Kraft, als Trampolinspringer mit der Erfahrung von Rotationen in der Luft und als Windsurfer mit dem guten Gefühl für die Elemente.

Selten schaut er so ernst wie in diesem Moment. Lieber ist Antoine Auriol mit positiver Energie im EinsatzFoto: Team Malizia
Selten schaut er so ernst wie in diesem Moment. Lieber ist Antoine Auriol mit positiver Energie im Einsatz

Mit Dokumentationen wie „Free Like the Wind“, der späteren Serie „Hopeful Earth“ und als Gastgeber der Fernsehserie „Wind Quest“, bei der er auf der Jagd nach den bekanntesten Winden um die Welt reiste, wurde Antoine Auriol zum bekannten TV-Gesicht. Umweltfreundlichkeit und eine positive Lebenseinstellung gehören zu ihm wie die Leidenschaft fürs Kiten, die er auch mit Boris Herrmann teilt. So wie das Ziel der erfolgreichen Weltumseglung im The Ocean Race, die Antoine Auriol in Wort, Bild und Film als Anbord-Reporter live auf allen Weltmeeren begleiten wird.

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